„Die Sonne der Gerechtigkeit kommt nicht mehr durch“

Daumen hoch

Die KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ hat eine Petition zur Unterstützung
des am Sonntag in der FAS (03.02.2019) veröffentlichten Briefes an Kardinal Marx gestartet.

Der Gemeinderat Heilig Kreuz schließt sich dieser weitreichenden Aktion an.
An den kommenden Sonntagen werden wir ebenfalls auf die Aktion hinweisen
und Sie können handschriftlich Ihre Unterschriften geben.

 

Hier der Link zur Petition.

 

Und hier geht es zur Pressemitteilung von „Wir sind Kirche“.

 

Das sind die Pressestimmen im vollen Wortlaut:

Offener Brief an Marx: Theologen fordern Reformen

Sie sind besorgt über den Zustand der Kirche, deshalb haben neun Theologen und Katholiken in Führungspositionen einen Offenen Brief an Kardinal Reinhard Marx geschrieben. Darin fordern sie umfassende Reformen: Eine andere Sexualmoral, die Weihe von Frauen und die Abschaffung des Pflichtzölibats.

In einem Offenen Brief an Kardinal Reinhard Marx haben neun Theologen und Katholiken in Führungspositionen Reformen innerhalb der Kirche gefordert. Sie rufen zu einem „Neustart mit der Sexualmoral“, einschließlich einer „verständigen und gerechten Bewertung von Homosexualität“ auf, heißt es in dem Schreiben, das der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) vorliegt. „Wenn Sie sich an die Spitze der Reformbewegung setzen, haben Sie uns entschlossen hinter sich“, steht in dem Appell, der sich auch an alle anderen Bischöfe richtet. „Schlagen Sie eine neue Seite auf, schreiben Sie ‚2019‘ darüber, und fangen Sie an“, schreiben die Unterzeichner, zu denen der Hochschulrektor und Theologie-Professor Ansgar Wucherpfennig gehört.

Wucherpfennig war im vergangenen Jahr aufgrund seiner Äußerungen zur Homosexualität, der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und dem Frauendiakonat die dritte Amtszeit als Rektor der Frankfurter Jesuitenhochschule Sankt Georgen von der vatikanischen Bildungskongregation zunächst verweigert worden. Nachdem seine Ordensoberen und mehrere Bischöfe in Rom protestiert hatten, lenkte der Vatikan jedoch ein. Außerdem gehören Jesuitenpater Klaus Mertes, der 2010 als Leiter des Berliner Canisius-Kollegs mehrere Missbrauchsfälle öffentlich machte, und der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz, ein Kritiker des früheren Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, zu den Unterzeichnern. Ebenso unterschrieben den Offenen Brief die Frankfurter Caritas-Direktorin Gaby Hagmans, die Grünen-Politikerin Bettina Jarasch, die Sprecherin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) für politische und ethische Grundfragen, Dagmar Mensink, die Vizepräsidentin des ZdK, Claudia Lücking-Michel und der Religionsphilosoph Jörg Splett sowie seine Frau Ingrid.

Ferner fordern die Theologen eine „echte Gewaltenteilung“ in der Kirche: „Das passt besser zur Demut Christi und in den Rahmen der für alle geltenden Gesetze.“ Sie rufen zudem zu einer Öffnung des Weiheamtes für Frauen und zur Abschaffung des Pflichtzölibats für Diözesanpriester auf. Anlass für den in der FAS veröffentlichte Brief an den Münchener Kardinal ist das Treffen der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aus aller Welt, zu dem Papst Franziskus vom 21. bis zum 24. Februar in den Vatikan eingeladen hat. Dort soll über den kirchlichen Missbrauchsskandal und die daraus resultierenden Konsequenzen beraten werden. Die Theologen forderten Marx zudem dazu auf, bei der Konferenz darauf hinzuweisen, dass Missbrauch in der Kirche „auch systemische Gründe hat“, wie die von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Missbrauchsstudie gezeigt habe. Sie sprechen auch von einer bedrückten Stimmung in den Pfarrgemeinden: „Die Sonne der Gerechtigkeit kommt nicht mehr durch. Unter einem bleiernen Himmel verkümmert die Freude am Glauben.“ (rom/dpa)

03.02.2019, 12.00 Uhr: ergänzt um die Namen aller Unterzeichner.


katholisch.de dokumentiert im Wortlaut den Offenen Brief an Kardinal Reinhard Marx

Lieber Herr Kardinal Marx,

der sexuelle Missbrauch von Schutzbefohlenen durch katholische Kleriker und die Versuche im Verantwortungsbereich der Bischöfe, solche Taten zu vertuschen, haben viel Unheil in das Leben der Betroffenen gebracht und im weiten Umkreis den Glauben von katholischen Christen erschüttert. Ende Februar werden die Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen mit Papst Franziskus über die Krise beraten und Vorkehrungen treffen, dass Schutzbefohlene in Zukunft geschützt werden und nicht geschädigt. Das ist dringend notwendig. Menschen dürfen nicht in der Kirche den Guten Hirten suchen und dabei unter die Wölfe kommen.

Wir bitten Sie darum, in Rom freimütig den wichtigsten Ertrag der MHG-Studie zur Sprache zu bringen: Missbrauch in unserer Kirche hat auch systemische Gründe. Die Versuchung des Klerikalismus folgt dem Klerus wie ein Schatten. Die Aussicht auf Macht in Männerbünden zieht Menschen aus Risikogruppen an. Sexuelle Tabus blockieren notwendige Klärungs- und Reifungsprozesse.

Die deutschen Bischöfe sind seit 2010 mit der Prävention und Sanktion von Missbrauchstaten gut vorangekommen. Sie haben nach der Veröffentlichung der MHG-Studie im September 2018 Betroffenheit zum Ausdruck gebracht und Abbitte geleistet. Aber sie wissen auch, dass Worte allein jetzt nicht mehr weiterhelfen. Der Eindruck, es solle am Ende doch alles beim Alten bleiben, hat das Misstrauen gegen die Amtskirche bei vielen Zeitgenossen zementiert. Und anders als früher macht das Misstrauen an den Türen der Kirche nicht halt.

Die aktiven Katholiken in Deutschland tragen in ihrer großen Mehrheit die vormoderne Ordnung der Kirche nicht mehr mit. Sie ertragen sie nur noch. Und jedes Jahr sind es Zigtausende, die die Last abwerfen und austreten.

Manche Verantwortliche wiegeln ab und sagen: Die Skandale sind nicht alles. Die Medien bauschen das auf. Die Hauptsache ist das normale Leben in den Gemeinden und Einrichtungen der Kirche. Es stimmt – da wird von Berufs wegen und ehrenamtlich Tag für Tag viel Gutes getan. Aber gerade dort hat sich tiefe Enttäuschung breitgemacht. Die Sonne der Gerechtigkeit kommt nicht mehr durch. Unter einem bleiernen Himmel verkümmert die Freude am Glauben.

Wir appellieren deshalb an unsere Bischöfe: Vertrauen Sie dem Glaubenssinn Ihrer Gläubigen, und gewinnen Sie der Kirche Wahrhaftigkeit und Weite zurück, ohne die das Evangelium nicht atmen kann! Nehmen Sie Ihre geistliche Vollmacht für mutige Reformen in Anspruch: Binden Sie sich selbst durch echte Gewaltenteilung – das passt besser zur Demut Christi und in den Rahmen der für alle geltenden Gesetze. Bauen Sie die Überhöhungen des Weiheamtes ab, und öffnen Sie es für Frauen. Stellen Sie den Diözesanpriestern die Wahl ihrer Lebensform frei, damit der Zölibat wieder glaubwürdig auf das Himmelreich verweisen kann. Hören Sie auf das Zeugnis der Bibel und auf die Erfahrungen von Gläubigen, und machen Sie einen Neustart mit der Sexualmoral – eine verständige und gerechte Bewertung von Homosexualität inklusive.

Lieber Herr Vorsitzender, liebe Herren Bischöfe – Sie können mit uns rechnen. Wenn Sie sich an die Spitze der Reformbewegung setzen, haben Sie uns entschlossen hinter sich. Aber wir zählen auch auf Sie. Die Bischöfe haben das Heft in der Hand. Bitte zögern Sie nicht. Schlagen Sie eine neue Seite auf, schreiben Sie „2019“ darüber, und fangen Sie an.

Gute Reise nach Rom und herzliche Grüße an Papst Franziskus

Johannes zu Eltz, Frankfurt

Gaby Hagmans, Frankfurt

Bettina Jarasch, Berlin

Claudia Lücking-Michel, Bonn

Dagmar Mensink, Frankfurt

Klaus Mertes SJ, St. Blasien

Jörg und Ingrid Splett, Offenbach

Ansgar Wucherpfennig SJ, Frankfurt

Der Offene Brief erschien zuerst am 03.02.2019 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.