Ausstellung Yallah im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara

drei Hände aus verschiedenen Nationen berühren sich an den Fingerspitzen, darunter liegt eine Deutschlandfahne

Yallah!? Über die Balkanroute – Eine Wanderausstellung über den „langen Sommer der Migration“ 2015 und die aktuelle europäische Flüchtlingspolitik.

Fr 26.10. bis So 25.11.2018 – Öffnungszeiten: täglich von 10.00 bis 19.00 Uhr

Foyer des Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara, Mauerstraße 5, 06110 Halle (Saale); Eintritt frei

 

Veranstaltet von: Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara Halle (Saale) und Medinetz Halle/Saale e.V.

unterstützt von no lager Halle, Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt, Welcome-Treff Halle

 

Führungen (für Schulklassen ab Sek II) sind nach Anmeldung möglich an folgenden Terminen: jeweils Dienstag zwischen 10 und 14 Uhr am 30.10. und 6., 13., und 20.11.2018; Dauer der Führung ca. 1,5 h

Anmeldung unter: yallah-balkanroute@medinetz-halle.de

 

Programm

Eröffnung Freitag 26.10.2018:        19.00 Uhr mit Livemusik 

 

Mittwoch, 14.11.2018: Das Asylbewerberleistungsgesetz – Hintergründe und Fallstricke im Kontext medizinischer Versorgung

Beginn: 16:30 – 18:30 Uhr                              Elisabethsaal, 5. OG, Neubau, Elisabethkrankenhaus

 

Gesundheit und Zugang zu medizinischer Versorgung sind ein Grundrecht. Doch nicht alle Menschen in Deutsch­land wird dieses uneingeschränkt gewährt. Menschen, die sich im Asylverfahren befinden, haben in Deutschland keine reguläre Krankenversicherung. Stattdessen wird ihre medizinische Versorgung vom zuständigen Sozialamt finanziert. Für die PatinentInnen führt diese Reglung immer wieder dazu, dass notwendige Behandlungen nicht gewährt werden. Für behandelnde Praxen und Krankenhäuser bedeutet dies, dass die Abrechnung erbrachter Leistungen anderen Regeln folgt, als bei Normalversicherten.

Dieser Workshop zielt darauf ab, die Hintergründe und Details der Abrechnung von für AsylbewerberInnen erbrachten Leistungen zu beleuchten und die Auswirkungen des Asylbewerberleistungsgesetzes für den ärztlichen Alltag zu erörtern. In einer praktischen Übung sollen zudem Einblicke in den Begutachtungsprozess bei Kostenübernahmeanträgen erarbeitet und Strategien zur erfolgreichen Antragsstellung diskutiert werden.

Die Veranstaltung wird mit zwei Fortbildungspunkten zertifiziert

 

Referent: Dr. Amand Führer, Medinetz Halle/Saale e.V. (vorrangig für ÄrztInnen // Interessierte herzlich willkommen)

 

Samstag 17.11.2018: Seenotrettung ist kein Verbrechen. Was ist los auf dem Mittelmeer?

Beginn: 18:00 Uhr                                           Seminarladen/Welcome Treff, Waisenhausring 2

 

„Yallah, über die Balkanroute!“ das ist heute drei Jahre später kaum mehr möglich und denkbar. Viel mehr ist der gefährliche Weg über das Mittelmeer als Hauptfluchtroute nach Europa wieder in den Mittelpunkt gerückt. Und gleichzeitig ist vor allem das zentrale Mittelmeer zu einer der (politisch) umkämpftesten als auch töd­lichsten Grenzen Europas geworden. Neben der immer weiter voran schreitenden Externalisierung der Grenze (bereits bestehende und gelplante Lager in Nordafrika, Militarisierung des Mittelmeers u.v.m.) werden Helfende und Seenotrettungsprojekte massiv kriminalisiert, Rettungsschiffe beschlagnahmt und die Schutz­suchenden dem Tod durch Ertrinken oder den libyschen Milizen überlassen.

Wir wollen ein aktuelles Bild zeichnen, was es heißt, den Weg über das Mittelmeer auf sich zu nehmen und einen Einblick in die Situation der Helfenden in Zeiten der steigenden Repressionen vermitteln.

 

Referentinnen: Mitglieder der Juventa-Crew und Aktive von Solidarity at Sea

 

Donnerstag 22.11.2018 16:10 – 18 Uhr       Radio Corax 95.9 FM und im Livestream

Common Voices Radio wird über die Ausstellung berichten und mit Studiogästen darüber diskutieren, wie geht es den geflüchteten Menschen heute, die 2015 nach Halle gekommen sind? Und wie haben sich die zahlreichen Unterstützungsangebote und Willkommensprojekte entwickelt?

 

Samstag 24.11.2018: Refugees welcome!? Von der Willkommenskultur 2015 zu den geschlossenen Grenzen 2018

Beginn: 18:00 Uhr                                           Elisabethsaal, 5. OG, Neubau, Elisabethkrankenhaus

 

Zum Abschluss der Ausstellung in Halle wollen wir im Rahmen eines Podiums geladene Gäste fragen, wie sie persönlich die Ereignisse 2015/2016 erlebt und wahrgenommen haben. Was ist aus ihrer Perspektive damals geschehen und wie können wir die Ereignisse des „Sommer der Migration“ einordnen? Und wir wollen diskutieren, wie sie die Situation heute in Deutschland als auch an den europäischen Aussengrenzen im Hinblick auf mögliche oder verschlossene Fluchtwege nach Europa einschätzen.

Was ist aus dem Grundrecht Schutz vor Verfolgung zu suchen geworden? Wie hat sich die im Jahr 2015 aus­gerufene Willkommenskultur etabliert? Und wie können wir den öffentlichen Diskurs, der in diesen Tagen von rassistischer Hetze und dem Ruf nach geschlossenen Grenzen dominiert wird, im Sinne einer offenen Gesellschaft beeinflussen? Wie können wir uns positionieren, wenn es bei dem Themen Zuwanderung, Asyl und Geflüchtete nicht mehr um die Menschen geht, sondern um eine politische Instrumentalisierung?

Im Podium begrüßen wir

Rafah Sawan (Ärztin aus Syrien. Reiste 2015 über die Balkanroute nach Deutschland und kam in der Erstauf­nahme im Maritim-Hotel an. Sie hat dort das Engement des Krankenhauses unterstützt. )

Bassam Alhassan (Konnte 2015 über die Balkanroute nach Deutschland flüchten und hat nach seiner Ankunft in Halle gewohnt und bei Radio Corax gearbeitet. Heute lebt er in Saarbrücken.)

Chefarzt Dr. med. Hendrik Liedtke (Ärztlicher Direktor des Krankenhauses. Er hat sich 2015 für eine schnelle medizinische Versorgung der Ankommenden im Hotel Maritim stark gemacht.)

Marc Speer (Beobachtet seit vielen Jahren für den Verein bordermonitoring.eu das europäische Grenzregime in Ungarn, auf dem Balkan und in der Ukraine)

Julia Burkhard (Hat Ende 2015 den WELCOME-Treff Halle mit aufgebaut und ist heute dort als Leiterin tätig )

 

Moderation: Georg Schütz (Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e.V.)

Die Veranstaltung wird auf Deutsch und Arabisch mit Simultanübersetzung stattfinden.