Informationen zur Profanierung der Kirche St. Josef in Löbejün

Informationen zur Profanierung der Kirche St. Josef in Löbejün

Als in den Jahren 1945 – 1950 die Zahl der Katholiken in Löbejün stieg, wurde der Wunsch nach einer eigenen Kirche für die Gemeinde lauter. Nach dem käuflichen Erwerb eines Baugrundstücks am Schachtberg wurde 1955 der Grundstein gelegt und zwei Jahre später erfolgte die Kirchweihe. Möglich wurde es durch Spenden und Eigenleistungen der Gemeindemitglieder sowie die Unterstützung des Bonifatiuswerks. Im Juli 1957 erfolgte die Weihe der katholischen Kirche Löbejün auf den Patron „den Heiligen Josef, den Arbeiter“. Seitdem ist die „Reuter-Kirche“, erbaut nach den Plänen des Bitterfelder Architekten Johannes Reuter, für viele Menschen in Löbejün und Umgebung ein vertrauter Ort– ein Ort des Gebets, der Gemeinschaft und der Hoffnung. Gemeinsam mit dem Pfarrhaus war sie stets Mittelpunkt für Begegnung, Seelsorge und gelebten Glauben.

In den vergangenen Jahren hat sich die Situation der Gemeinde spürbar verändert. Die Zahl der regelmäßigen Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmer geht kontinuierlich zurück. Die Gottesdienste finden in vierzehntägigem Wechsel mit der Kirche St. Michael Ostrau statt. Gleichzeitig stehen in nächster Zeit umfangreiche und kostenintensive Reparaturen am Dach des Gemeinderaumes an, die in keinem angemessenen Verhältnis zur tatsächlichen Nutzung des Gebäudes stehen.

Besonders schmerzlich ist, dass die langjährige Ansprechpartnerin vor Ort, Frau Brunhilde Ernst, ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen kann. Dienste, die früher selbstverständlich von der Kirchengemeinde getragen wurden – wie Küsterdienste oder Wort-Gottes-Feiern – werden inzwischen von den Nachbargemeinden Ostrau und Wettin übernommen.

Mit dem Eintritt von Pfarrer Johannes Werner in den Ruhestand steht die gesamte Pfarrei zudem vor der Aufgabe, die Gottesdienstordnung neu zu bedenken und die vorhandenen Kräfte verantwortungsvoll einzusetzen. In diesem Zusammenhang wurde deutlich, dass die derzeitige Situation in Löbejün für alle Verantwortlichen eine Herausforderung darstellt, die mit den zur Verfügung stehenden Kapazitäten nicht mehr sinnvoll bewältigt werden kann.

Vor diesem Hintergrund haben wir uns schweren Herzens mit der Frage beschäftigt, wie es mit der Kirche St. Josef weitergehen kann. Nach vielen Gesprächen und sorgfältiger Abwägung sehen wir derzeit keine tragfähige Perspektive für eine regelmäßige Nutzung des Kirchengebäudes. Daher bereiten wir den Weg, die Kirche St. Josef in Löbejün künftig nicht mehr als Gottesdienstort zu nutzen.

Dazu wurden bereits Gespräche vor Ort geführt und die dafür notwendigen formalen Schritte der Profanierung der Kirche Löbejün eingeleitet. Unter Profanierung versteht man die Entwidmung eines geweihten Raumes, der damit seine ausschließliche Bestimmung für den Gottesdienst verliert und für den alltäglichen, „profanen“ Gebrauch freigegeben wird.

Der Schritt der Profanierung wurde in den Gremien der Pfarrei intensiv diskutiert und nach sorgfältiger Abwägung der Gründe (s.o.) vom KV Plus der Pfarrei Carl-Lampert beschlossen. Der Antrag auf Profanierung an das Bistum im August 2025 gesendet mit anschließender Bestätigung und Freigabe des weiteren Prozesses.

Gleichzeitig ist es uns als Pfarrei wichtig zu betonen, dass wir die Menschen vor Ort nicht allein lassen.  Die seelsorgliche Begleitung bleibt bestehen, auch wenn sich die äußeren Formen verändern. So gibt es die Möglichkeit, Fahrdienste zu den Gottesdiensten in den anderen Gemeinden der Pfarrei zu nutzen. Für kranke oder immobile Gemeindemitglieder können Hausgottesdienste an anderen Wochentagen angeboten werden. Darüber hinaus sind wir im Gespräch mit den evangelischen Gemeinden im Bereich Wettin–Löbejün, um für besondere oder größere Feiern weiterhin Möglichkeiten vor Ort offen zu halten.

Wir wissen, dass dieser Schritt bei vielen Menschen Fragen, Traurigkeit oder auch Schmerz auslösen wird. Die Kirche St. Josef bleibt ein wichtiger Teil unserer gemeinsamen Geschichte. Wir laden alle ein, diesen Weg im Gebet, im Gespräch und im Vertrauen darauf mitzugehen, dass Gott auch in Zeiten des Abschieds mit uns unterwegs ist.

In den kommenden Monaten werden die nächsten Schritte sorgfältig und in enger Abstimmung geplant. Dabei ist uns ein respektvoller und verantwortungsvoller Umgang mit allem, was die Kirche St. Josef über viele Jahre ausgezeichnet hat, besonders wichtig.

 

Ein Teil des Inventars soll innerhalb der Pfarrei weiterhin seinen Platz haben. Liturgische Gegenstände stehen künftig anderen Kirchen für Gottesdienste zur Verfügung.  Am Dienstag, 03.03. 2026 lädt der Immobilienausschuss Vertreter der Kirchengemeinden zu einer gemeinsamen Begehung ein. Andere Ausstattungsstücke, die keiner Weiterverwendung zugeführt werden können, werden dem Bischöflichen Ordinariat in Magdeburg übergeben oder veräußert. Auf diese Weise bleiben wichtige Zeugnisse der Geschichte der Kirche St. Josef bewahrt und für kommende Generationen zugänglich.

Den letzten Gottesdienst in Löbejün feiern wir am Freitag, 01.05.2026, um 10:00 Uhr.

Am 23.7.2026 wird die Immobilie für die Auktion durch die Sächsische Grundstücksauktion AG veröffentlicht. Termin für die Auktion wird der Mittwoch, 26.8.2026, sein.

Alle Schritte erfolgen mit dem Ziel, der Geschichte der Kirche St. Josef und ihrer Kirchengemeinde gerecht zu werden und zugleich verantwortungsvoll mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen. Über den weiteren Verlauf und wichtige Termine informieren wir rechtzeitig.

Leitungsteam

Pfarrei Carl Lampert